Glienicker Brücke

Glienicker Brücke

So viel Pink kann kein Traumhimmel schaffen.

Und jedwede Sehnsucht ist auch noch

Ein Blick ins Verderben.

Nein. Jetzt verdirbt nichts mehr.

Die Brücke ist Brücke nun wieder geworden.

Genau eine Straße, die unsere Städte verbindet.

Genau eine Brücke, auf der nichts mehr steht,

weder Schlagbaum noch Häuschen noch Selbstschussanlage.

Die Straße ist glatt und der Blick ist einmalig,

ins Grüne, ins Blaue, auf Schlösser,

die hat Potsdam reichlich,

auf Ufer, auf Wolken, auf Dampfer und Segler, auf Sonne.

Und manch einer sieht noch das Alte

Die Bilder sie schwimmen so dicht beieinander.

Der Himmel ist rosa, er hängt nicht voll Geigen.

Es gibt überhaupt auch genug schwarze Strähnen.

Das ist die Erinnerung,

Flötet der uralte Vogel der Zeit, des Jahrhunderts,

der singt nur ein bisschen zu fröhlich

die Freiheit von all diesen Dächern auf Osten und Westen…

Nach Westberlin geht’s Richtung Osten,

So sagt diese Frau,

Auf der anderen Seite da wohnt ihre Mutter,

das ist nicht romantisch, es schärft ihr die Sinne,

die Glienicker Brücke geht über die Havel,

die niemals zu teilen sein wird.

Und die Schauende sieht beide Ufer

Verliert gleichermaßen den Blick in den

Spiegeln aus Wasser und Glück

und Pink.

Holländisches Viertel – Wille und Würde

Holländische Häuserreihen frisch rot-weiß

Ein wenig Grün dabei war´n einst

Vom Alten Fritz erbaut der offen jeder

Religion und jedem Geist und jedem

Handwerk gegenüber war

Kommt her nach Potsdam Hugenotten

Niederländer Russen Alle Nachbarn

Die zu Hause ihren Glauben ihr Gewerke

Ihre Meinung ihre Sprache so

Nicht leben konnten

Und er baute Häuser ließ sie wohnen

ließ sie wirken

Viele kamen

wenig blieben

Und die Häuser steh´n noch immer

innen außen runderneuert

kleine teure edle Läden

für Touristen Sonderpreise

Eine Frau die viele Jahre

Täglich ihren Weg dort nahm

Als Kind als Schülerin als Frau als

Lehrerin als Mutter Großmutter

Und dann

Kam dieser Winter

Einundzwanzig Zweiundzwanzig

Und sie ging nur einmal durch die Stadt

Und durch die Straßen mit den roten

Holländischen Häusern

Und sie durfte nicht in die Boutiquen

Keine Schuhe kaufen

Keine Kleider Röcke Hosen Jacken auch

In kein Café noch Restaurant

In jedem Fenster hing ein Blatt

Papier ein Schild ein Zettel

Darauf stand „Zwei G“

Und da sie keins von beiden hatte

Blieb sie draußen

Frisch gesund

Mit Geld in ihrer Tasche

Kalt war´s draußen und die

Menschen hatten keine Münder

Keine Nasen

Nur noch Augen

Fast erschraken sie vor einem

Vollständigen Antlitz

Und vor´m Lächeln

Eines Andern

Und sie gingen einen Bogen um den

Ehemals geschätzten Mitmensch

So schnell konnte sie nicht weinen

Erst nach einer Woche

Löste sich die Starre

Sie verließ die schönste aller Städte

Ging nach innen

Schloss die Tür

Nach draußen

Und es war ihr einz´ger Wille

den zu leben sie als Mensch in

aller Würde angetreten

Nicht zu stehlen

Nicht zu töten

Nicht falsch Zeugnis je zu reden

Wider ihren Nachbarn noch sich selber

Redlich leben von der eig´nen

Hände Arbeit auch dem Staat

Den Zehnten geben

Kinder hüten

Putzen

Waschen

Tiere retten

Kranken helfen

Alte Pflegen

Singen

Tanzen

Mensch sein eben

Nichts davon hat einen Ausweis

Nichts genügte für den Eintritt

In ein simples Schuhgeschäft

Das Schwerste aber war

Das Herz

Und dessen Tür nicht zu verschließen

Offen bleiben

Notfalls weinen

Mit der Angst dass das nie aufhört

Meine Stadt denkt sie ist seitdem

Anders

Und an jedem roten Haus hängt

Unsichtbar

Ein schwarzer Wimpel

Nein es war nicht nur der kalte

Winter die sie frieren ließ

Es war

Unfassbar

Jeder Mensch der

Seine deine meine

Würde für Zwei G verkaufte

Und der teilnahm an dem

Teilespiel des Hasses und der Ängste

Unantastbar

War die Würde

Der Geimpften

Doch nun steh´n die Häuser

Wieder von der Sonne warmem Licht

Beschienen

Alle Läden offen so als wäre nichts

Gewesen noch vor Wochen

Wieder atmen

Wieder ganz das Antlitz

Wieder darf sie lächeln

Diese Frau ganz sichtbar

Unter´m grünen Strohhut

Mit dem bunten langen Kleid

Wie immer gehen die Touristen

In die teuer hübschen Läden

Guten Tag und guten Weg und

Bitte – Danke – es wird

Immer wieder Frühling

Und die Frau ist

Frei

Von Krankheit und  von Ängsten

Und ihr Herz schwebt manchmal auswärts

Es ist offen und

Gesund geblieben

Und im Sommer geht die Frau

Wie neu in viele dieser Läden

Ein und aus und mit und ohne

Etwas kaufen

Vieles passt nicht

Ihre Größe ist verändert

Denn ihr Wille und die Würde

Die sind nicht

Verhandelbar

Monet in Potsdam

Farben die in mein

Gemüt scheinen nähren

Und leuchten mich aus

 

Ihre Bilder, verehrter Monsieur Monet,

sind in aller Munde heute. Die Museen der Welt zeigen sie nicht nur, sie reißen sich um sie. In meiner Stadt Potsdam, in der wiedererbauten Villa Barberini, mitten im Zentrum der Stadt, direkt am Ufer der Havel, wird nun, im Februar 2020, eine große Ausstellung mit Ihren Bildern eröffnet. Für Besucher aus aller Welt. Ein Sprachencocktail wird dann auf der Brücke bereits zu hören sein. Die lange Brücke zwischen Bahnhof und Museum. Im Barberini setzt es sich fort, leiser, murmelnd, mit Inhalten aus Ihren Werken.

Auf Ihre Bilder freue ich mich sehr, Monsieur! Welch einen Farbenrausch Sie da verschenken. Ein Rausch in Stille, nur durch leise Schritte, die von Bild zu Bild gehen, unterbrochen. Diese stören aber nicht. Sie sind wie das leise Trommeln von Fingerspitzen auf einem Schreibtisch, neben einem aufgeschlagenen Buch mit Lyrik.

Was hätte Ihnen da gefallen? Kurzgedichte? Dreizeilig, die japanische Form, genannt Haiku, Senryu? Drei Zeilen, in denen ein poetischer Moment perfekt eingerahmt ist…

Wie das Wunderwerk einer Fliege in einem Bernstein.

Sie liebten die japanische Kunst, die asiatische überhaupt, wie so einige Ihrer Zeitgenossen. Der zarte Moment, der im Grunde ein alltäglicher ist, aber neu verwoben in seiner Umgebung, vor allem: neu gesehen. Neu in jedem Moment, neu in jedem sich ändernden Licht.

Sie haben von Potsdam gehört? Wie ein hübscher Auswuchs hängt es inzwischen am südwestlichen Zipfel Berlins. Die große und die kleine Stadt, sie gehen ineinander über. Der trennende Fluss Havel schafft mit seinen Brücken nun die Verbindungen. Die Gäste der Villa kommen in Zügen aus Berlin zum Beispiel, sie treten aus dem Bahnhof, gehen über diese lange Brücke, schon ist da das Museum, in dem vor einiger Zeit bereits Bilder von Ihnen zu sehen waren. In wunderbar hohen Räumen mit Licht von der Decke, mit Wänden, die für jede Ausstellung und für jeden Künstler unterschiedlich neu gestrichen werden. Besprüht muss man sagen. Mit Pinsel würde hier niemand weit kommen. Helle und dunkle Grauvarianten, gemischt mit Oliv, Blau, Grün oder nur Grau oder Weiß.

Die Räume sind dann so kunstvoll auf Bilder und Skulpturen abgestimmt, wie der Rahmen des Bildes selbst. Sie lassen ältere und neuere Kunst von den Wänden leuchten, geben Einblicke in Intimes oder gemalte Ausblicke aus Zimmern und fallen dabei selbst als Teil eines Gesamtkunstwerkes gar nicht wirklich auf.

Und als es hieß, im Jahr 2020 „kommt Monet“,  waren nicht nur Ihre Bilder gemeint, Ihre Farben, Ihre Lichtkunst. Es ist eben auch Ihr Geist, Ihr Charme, die friedlich stärkende Wirkung Ihres Lichtes, welche vieltausende Besucher ins Stadtzentrum ziehen, ins Potsdamer Museum Barberini, in meine Stadt. Und die Besucher schauen sich dann nicht nur Ihre Werke an, sie gehen auch essen, fahren vielleicht ein wenig mit dem Schiff, das hier Dampfer heisst, obwohl nur noch ein Schiff namens Gustav mit Dampf angetrieben wird, das startet genau gegenüber im Hafen. Oder sie setzen sich in Busse und erkunden die Stadt. Sie gehen in den Park Sanssouci, sehen das gleichnamige kleine Schloss von 1745 mit den Weinterrassen im Original, entdecken das große, hundert Jahre jüngere Neue Palais, und wie nebenbei auch noch die „Römischen Bäder“ oder das „Chinesische Teehaus“.  Und dann kommen sie ins Holländische Viertel, in dem es aussieht wie im alten Amsterdam, oder die Böhmischen Weberhäuser und die Schlösser in Babelsberg.

Es gibt wohl kaum eine andere Stadt, in der auf solch engem Raum so viel Internationales zusammen steht. Allein der Bassinplatz wird umringt von der Französischen Kirche, dem russischen Soldatenfriedhof, der einen Seite des Holländerviertels und der deutschen katholischen Kirche Sankt Peter und Paul.

Vieles stammt aus preußischen Zeiten, in denen der Preußenkönig Friedrich am Hofe nur Französisch sprach. Er liebte Voltaire, dessen Name noch heute auf Straßenschildern steht.

Erst hundert Jahre nachdem der preußische König französisch sprach, wurden Sie, Monsieur, geboren. Wussten Sie das? Ihre Grand Nation hatte grand Einfluss.

Heute sind Sie es, der mit seiner Kunst so viel beeinflusst. Und ich werde achtgeben: Wie wird sich mein Ort anfühlen, wenn Ihre Bilder, Monsieur, aus dem Zentrum der Stadt ihre Energie heraus strahlen?

Impression. Eindruck. Nach innen gehen. Leise.  Licht.

(Andrea Jennert)

Ein goldener Fehler

Ich habe einen Fehler gemacht. Erst jetzt nach anderthalb Jahren fällt der Vorhang und die Erkenntnis ist sichtbar. Erst jetzt…

Nicht dass ich damals in Barth nach dem Hausverbot wieder zum Unterricht gegangen war, aber dass ich mir das Schreiben dieses Bloggs hatte verbieten lassen, war ein Fehler.

So manches Mal hatte ich in den letzten Monaten gedacht: Das wäre ein Thema für den Blogg. Nur das Schreiben hatte sich mir entzogen.

Der Schock dieser Geschichte mit dem Flüchtlingsunterricht in Barth saß doch tiefer, als ich dachte. Ich hatte gar nicht verstanden, was da wirklich passiert war. Ein Hausverbot samt Abbruch meines damaligen Einkommens, weil ich Dinge in diesem Blogg benannte, die bereits in der Zeitung gestanden hatten oder in den Medien zu sehen waren. Es war wie ein Sturzflug in längst vergangene Zeiten namens DDR, in denen die Spielregeln allerdings bekannt waren. Selbständiges Wahrnehmen und Denken waren limitiert. Nein, eher der Ausdruck. Und wer bestimmte Grenzen übertrat, wusste meist um die Konsequenzen. Bis es nicht mehr aushaltbar war. Alles, was lebt, muss sich ausdrücken. Welch ein Glück, dachte ich später oft, dass der Geist nun frei sein kann.

Vor anderthalb Jahren hatte es einen rechtsverbindlichen Vertrag gegeben, die Chefin hatte sich stark gemacht, und ich konnte wieder unterrichten.

Der Preis? Keinen Blogg mehr schreiben.

Der Fehler? Ich habe mich darauf eingelassen.

Die Folgen? Das Schreiben dieses Bloggs entzog sich mir. Mein Glaube an die Freiheit in diesem Land ging verloren. Meine innere Wahrheit hielt sich  bedeckt.

Wie nennt man das? Kleingläubig..? Im größeren Sinne, ja, kleingläubig.

Was würde ich heute anders machen? Ja, würde ich sagen, ich gehe morgen wieder hin und unterrichte weiter, aber meine Stimme, meinen Blogg, mein Schreiben lasse ich mir nicht verbieten. Von keinem.

Was wäre dann passiert? Wahrscheinlich nichts, und ich wäre auch so wieder zum Unterricht gegangen. Oder jemand anderes wäre gegangen.. Vor allem hätte ich meine Wahrheit, meine Art zu sein, verteidigt, gelebt, selber für wertvoll erachtet. Ich hätte an meine Talente, meine Berufung und an den Schutz dieser Arbeit, der von höherer Stelle immer rechtzeitig da war und ist, geglaubt. Ich wäre nicht so kleingläubig gewesen…

Das Verbot meines Schreibens, das an eine gute Arbeit und ans Geldverdienen gekoppelt war, hatte eine Spätwirkung hinterlassen. Ich hatte mich damals fürs Gutsein, für das Wohl anderer, aber auch fürs Geldverdienen entschieden.

Das uralte Thema mit dem Tanz ums goldene Kalb. Steht schon in der Bibel. Selbstgemacht, dieses Kalb, und selber in den Mittelpunkt gestellt. Das Kreative, das Eigene, das besondere berufene Talent abgewählt. Kein Vertrauen. Steht auch schon in der Bibel. Kleingläubig und so weiter.

Dabei sind wir Wesen aus Licht, das ist bereits messbar. Unser Mittelpunkt muss das Lebendige, das Leben, das Schöpferische oder das Göttliche sein. Und wir gehen ein wie Primeln ohne Sonne und Wasser, wenn man uns das Licht abdreht.

Es war ein goldener Fehler. Er hatte auch gute Wirkungen.

Ich lasse mir das lebendige schöpferische Dasein nicht wieder verbieten. Es ist das Wertvollste, was ich habe…

Und ich bin neugierig, welche Art Türen jetzt aufgehen und was für schöpferische Räume sich für mich öffnen.. das lebendige Gold..

A.Jennert

Nach Hause kommen – der letzte Teil einer Reise

April. Letzter Sonntag. Die letzten Bloggs waren im Dezember, im letzten Jahr. Fünf Monate Schweigen. Was ist passiert? Unaussprechliches?
Ich hätte etwas nicht sagen dürfen. Nicht öffentlich, als Blogg. Sagte jemand, den ich nie sah. Auf dessen Gelände ich unterrichtete. Nein, nicht sein Gelände, es war gemietet, für die syrischen Flüchtlinge. Und ich wurde des Hauses verwiesen, aufgrund meiner letzten beiden Bloggs. Weil etwas darin stand, was jeder wusste, was in den Zeitungen gestanden hatte: Dass in der Barther Jugendherberge Flüchtlinge wohnten. Und dass sie Deutschunterricht bekamen, vom Staat geschenkt, zu dem letztlich nur ein Viertel der Leute ging, weil er freiwillig war.

Das hätte ich nicht sagen dürfen, das wäre geistige Brandstiftung. Sagte der Campleiter.
Hausverbot.
Eine Eigenschaft, die ich im Norden oft vermisst habe: miteinander reden, nicht übereinander, und dann die Keule. Ziemlich genau ein Jahr nachdem mein Mann diese Erfahrung in einem ganz anderen Job im Norden gemacht hatte, ging es nun auch mir so. Ein Dejavú.
Doch der Bildungsträger hat sich stark gemacht. Im neuen Jahr dann doch wieder die Erlaubnis: Weiter unterrichten, aber kein Blogg mehr.

Ich hatte keinen Tag Zeit, diese Entscheidung zu treffen. Schreiben ist mein Leben, ich bin Schriftstellerin, ich liebe das Schreiben. Es ist Klärung, Schönheit, es öffnet, lässt fließen. Auf der anderen Seite die Flüchtlinge, die warteten. Sie haben am ersten Tag meines Ausbleibens pünktlich um neun Uhr im Unterrichtsraum gesessen und allein Deutsch gelernt. Sie haben abends zusammen gesessen, Deutsch gelernt und mir ein Foto von sich und den Büchern per WhattsApp geschickt. Einige haben mich besucht und sich verabschiedet mit: Bis bald! Bis Januar mit Unterricht! Vor allem, sie haben bei der Nachricht, dass ich nicht mehr kommen würde, geweint.
Ich packte meinen Stolz und meine Lust zu schreiben in einen Karton und stellte ihn zu den anderen, die schon für den Umzug gepackt waren. Und ich ging am nächsten Tag zum Unterricht. Tränen in den Augen, irgendwie alle. Schön, dass ich wieder da war. Schön, sie alle zu sehen. Schön, weiter zu arbeiten.
„Guten Morgen! Wie geht`s? Wie gefällt Ihnen das Wetter? Gut geschlafen? Gut gefrühstückt? Was haben Sie am Wochenende gemacht?“
Es war die richtige Entscheidung. Wir haben es zu Ende gebracht. Solange bis das Camp in der Herberge aufgelöst wurde. Alle in Wohnungen oder in eine andere Herberge kamen.

Die Syrer haben sich sehr gewundert, dass es in einem Land wie Deutschland auf der einen Seite diese große Meinungsfreiheit gibt, dass jeder diesseits und jenseits des guten Geschmacks sagen kann, was er so denkt, und dass eine Deutschlehrerin, die bekannte Tatsachen benennt, den Job verliert.
Ich sagte ihnen, es ist die Angst, es gibt so viele Anschläge auf Flüchtlingsheime. Und ich sagte ihnen nicht, dass es sicher noch Gründe gegeben hat, diese Angst anzustacheln: Mißgunst, Neid. Aber wir spürten, dass es etwas gibt, das größer ist: Liebe. Je länger ich diese Gruppe, die täglich freiwillig kam, unterrichtete, je mehr ich sie kennenlernte, umso mehr liebte ich sie. Jeden einzelnen. Und ich weiß, dass sie auch mich liebten. Zum Abschied ein gezeichnetes Portrait, ein gezeichnetes Herz mit meinem Namenszug. Eine Tasse mit „Be My Heart“, aus der ich jetzt Tee trinke. Ein Essen, für mich gekocht. IMAG1829Ein Dekoschriftzug LOVE, der nun im neuen Haus steht. Ein silberner Kelch, Glasvasen, eine rote Tasche…

Jeder von ihnen geht nun einen neuen Weg, in Barth, in Stralsund, in Hamburg, in anderen Städten.
Und ich in Potsdam. Ich wohne in einem schönen Haus in einer wunderschönen Stadt. In MEINER Stadt. Ich habe die Familie und die alten IMAG1880Freunde wieder. Es gibt schon neue Klavierschüler, im PC warten neue Bücher, und in der Volkshochschule warten andere Flüchtlinge…
Aber ich glaube, diese erste Gruppe war etwas Besonderes, und sie werden immer einen Platz in meinem Herzen haben. Sie waren die ersten… und ich vermisse sie hier…
Was das Ankommen hier betrifft – ich bin glücklich, nach Hause zu kommen, und doch, man steigt nie zweimal in denselben Fluss. Es ist wieder ein Neuanfang.

Ich sitze hier am neuen Esstisch, am Familientisch, schaue aus dem Fenster auf Potsdamer Straßen und Häuser, ins wechselvolle Aprilwetter bei 6 Grad Celsius. Und ich denke, wieIMAG1950 sieht es in Barth jetzt aus? Sind die zurückgekehrten Kraniche noch zu hören? Oder sind sie längst weiter gen Norden geflogen? Ist es jetzt kühler und die Luft feuchter dort? Gibt es Nachtfrost so wie hier? Fährt die Goethefee heute zum Strand für einen Spaziergang oder geht sie in mein Haus und gießt die letzten Pflanzen, die noch auf Abholung warten? Was macht meine Nachbarin? Was macht die nette Deutschlehrerin, die beim Flug meines Flügels über die Dächer von Barth dabei war?

Wie gehts meinen lieben Schülern (meinen! Obwohl sie längst neue Kurse besuchen!)? Und wie der syrischen Mutter und ihrer Familie? Und wie geht es der süßen Frau aus Bayern, die wegen der Liebe nach Barth kam und die eine nahe Freundin hätte werden können?

Jetzt bin ich da, wo ich hin wollte. Zuhause. Und doch – es bleibt eine Sehnsucht nach Barth und Meer…

Es ist der letzte Sonntag im April. Es ist der letzte Boddenblogg.
Danke meinen Leserinnen und Lesern, danke den Kommentatoren, danke für euer Interesse! Ich wünsche euch alles Liebe!
Wir sehen uns wieder! Bis bald…….

……..im PotsdamBlogg