Farben

„Die Jahre verlaufen in Bildern wie Farben auf der Leinwand. Der Pinsel tanzt und streicht, kratzt und hält inne. Die alten Farben trocknen. Neue kommen hinzu, übermalen das Alte, übermalen wieder und wieder, das Neue wird weggewischt, alte Strukturen kommen zum Vorschein, das Bild immer wieder ein anderes, neues vollkommeneres. Selbst nach dem letzten Pinselstrich ist es nicht fertig, wandelt sich nach dem Punkt Gestorben noch immer……

…………  Ich will dir etwas zum Grün sagen.

Grün ist das Herz. Es ist auch rosa, wirst du denken, und du hast recht, genau wie ich, denn es ist auch grün. Ich bin dir grün, mein Herz ist offen für dich. Ich male grün und mische andere Farben dazu, geschwätziges Gelb, das auch die Seele ausleuchtet, erdiges Ocker, das beinahe orange ist, Nachtblau an einigen Stellen, damit du zur Ruhe kommst.

Du kannst nicht immer unterwegs sein.

Ich will dir etwas zum Blau sagen. Blau ist der lange Atem des Meeres, ein- und ausatmen über zehntausende von Jahren. Sein Spiel mit dem Licht, silberweiß, türkis, apfelgrün, steingrau, azurblau, lindgrün. Blau ist die Ruhe, der Abend, die Brücke zum Ich.

Und ich male dir ein Rot dazu, ein dunkles wie Wein. Die schwere Blume Rot. Ein Rot wie mein Sofa im Zimmer, auf dem wir uns ausbreiten manchmal, auf dem ich dir vom Malen und vom Lieben erzähle. Vom Binden und vom Freilassen, vom Weggehen und vom Wiederkommen. Vom Verletzen und vom Trösten.

Das Rot, das ich meine, hat nichts mit Krieg zu tun. Das Rot, das ich meine, ist die Glut, leuchtend, wärmend. Wie der Kamin in meinem Körper………..

…………. Ich möchte dir etwas zum Gelb sagen.

Gelb in einem Bild ist immer Sonne, Licht. Weiß allein genügt nicht. Es gibt Bilder, die leuchten, und es gibt Bilder, die sind stumpf. Manchmal möchte ich stumpf malen, da leuchte ich nicht. Da leuchten meine Bilder nicht. Da leuchtet meine Musik nicht. Da bist du nicht da.

Wenn ich ein Bild mit Gelb drin male, bist du da.

Aber Gelb allein und Weiß genügen nicht. Es muß Orange dabei sein. und ein Hauch Ocker. Vielleicht ein klein wenig Grün. Ganz leicht. Lichtes Herz. Mit einem rosa Schimmer irgendwo.

Dann bist du da……..

………… Ich tanze zu lauter Musik, wenn ich male. Und ich male mit meinem Körper, wenn ich tanze. Ich male die Farben der Musik in den Äther. Ich rufe dich, locke dich, komm zu mir, komm und bleibe etwas, lass uns zusammen essen und malen und lieben……….“

(A. Jennert aus „Malen und Lieben“)

(Vernissage am Freitag, 6. Februar 2015, um 19 Uhr, Stadtwall-Café in Barth, Wallstr. 25, Geöffnet tägl. 14-18 Uhr, außer Freitags)

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